Rede zur Verleihung des Großen Verdienstkreuzes an den Minister der Regierung der Tschechischen Republik Herrn JUDr. Cyril Svoboda,

Palais Lobkowicz, 8. Jan. 2008, 11.00 Uhr

von Helmut Elfenkämper

Vážený pane ministøe, milý pane Svobodo,
vážená paní Dr. Svobodová,
milí èlenové rodiny,
dámy a pánové,
milí kolegové,

tìší mì, že vás všechny mohu tak brzy, v ještì mladém roce 2008 pøivítat v Lobkovickém paláci, a pøeji vám všem dobrý nový rok!

Chceme, aby byl i tento rok 2008 dobrým rokem pro vztahy mezi Nìmeckem a Èeskou republikou. Nemùže pro to být lepší poèin než pøedání Velkého køíže za zásluhy Øádu za zásluhy Spolkové republiky Nìmecko, který pan spolkový prezident udìlil vám, vážený pane ministøe Svobodo.

Dámy a pánové,
dovolte mi nyní, abych pokraèoval ve svém rodném jazyku, èeskou verzi naleznete na svých místech.

Meine Damen und Herren,


es gibt nur wenige aktive tschechische Politiker, die seit der Wiederbegründung der demokratischen Ordnung nach der Samtenen Revolution so kontinuierlich an entscheidenden und verantwortungsvollen Schaltstellen am Aufbau des politischen Systems und an der Regierung dieses Staates teilgenommen haben wie Cyril Svoboda.

Sie wurden, Herr Minister, nachdem Sie ihre juristischen Studien an der Karls-Universität abgeschlossen hatten und nachdem Sie zunächst in der Wirtschaft tätig waren, bereits 1990 zum Berater des Stellvertretenden Premierministers für Menschenrechte, Restitution und Beziehungen von Staat und Kirche ernannt. Von 1992 bis 1996 waren Sie Stellvertretender Justizminister. Im Jahre 1996 wurden Sie zum Stellvertretenden Außenminister, zuständig für Fragen des Beitritts der Tschechischen Republik zur Europäischen Union ernannt. Von Januar bis Juli 1998 waren sie mit dem Amt des tschech. Innenministers betraut und waren zugleich Leiter der Verhandlungen über den Beitritt Tschechiens zur EU. Von 1998 bis 2002 übten Sie die Funktion des Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses aus. Ab Mitte 2002 waren Sie bis September 2006 Außenminister der Tschechischen Republik und für einen Teil dieser Zeit auch Vize-Premierminister. Seit September 2006 sind Sie Minister ohne Port-folio und Vorsitzender des Legislativrates der Tschechischen Regierung.

Meine Damen und Herren, sehr geehrter Herr Minister,
diese Aufzählung kann und will nicht vollständig sein, ich habe z.B. nicht erwähnt die leitenden Posten, die Sie innerhalb der christdemokratischen Partei eingenommen haben, der Sie 1995 beigetreten sind. Die Liste der von ihnen übernommenen Aufgaben zeigt jedoch eindrucksvoll, dass Sie von Beginn dieser Republik an, entscheidend mitgewirkt haben

  • an der rechtlichen Grundlegung dieses Staates,
  • an seiner Verankerung in der Europäischen Union,
  • an seiner außenpolitischen Ausrichtung als geachteter Partner in der europäischen und internationalen Politik.

Sie haben bei ihren Tätigkeiten als Minister in verschiedenen Regierungen, als Politiker und Parlamentarier und als Mensch sich leiten lassen von drei Grundzügen:

  • Sie sind überzeugter Europäer,
  • Sie sind gläubiger Christ,
  • Sie sind ein Freund Deutschlands.

Als Europäer können Sie, denke ich, mit dem was Tschechien bisher in den letzten Jahren erreicht hat, zufrieden sein: mit dem EU-Beitritt im Mai 2004 und der Öffnung der Grenzen zum Schengen-Raum vor einigen Tagen sind ganz wichtige Ziele erreicht worden. Ich hoffe, dass sich die Tschechische Republik mit einer baldigen Ratifizierung des Vertrages von Lissabon den übrigen Mitgliedstaaten anschließen wird und damit einen zentralen Schritt zur Reform der EU mitträgt. Ich wünsche Ihrem Lande auch eine erfolgreiche Präsidentschaft im 1. Halbjahr 2009.

Der gläubige Christ, der Sie sind, hat Ihnen mehr als einmal geholfen, die Herausforderungen und Anfechtungen als Politiker zu überstehen: die Würde des Menschen in allen Lagen und immer zu achten, dennoch die Fehlbarkeit des Menschen als gegeben anzunehmen und deshalb in Nächstenliebe auch verzeihen und vergeben zu können.

Mit diesem Grundrüstzeug der christlichen Weltanschauung haben Sie sich eine solide Basis für ihr persönliches und politisches Handeln bewahrt.

Herr Minister,
Ihre christlichen Grundüberzeugungen waren sicher auch mit bestimmend bei Ihrer Arbeit an einem guten Verhältnis zu Ihren Nachbarn.

Sie haben sich immer als ein zuverlässiger Partner und Freund unseres Landes gezeigt. Sie haben stets für eine Vertiefung der Aussöhnung unserer Länder gearbeitet, indem Sie zum Beispiel die Geste der Tschechischen Regierung gegenüber den deutschen Bürgern der Tschechoslowakei unterstützt haben, die Gegner des Nationalsozialismus waren und loyal zur Republik gehalten haben.

Sie haben sich für Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen eingesetzt, indem Sie sich sehr klar als Minister für die Fortsetzung der Finanzierung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds verwendet haben. Heute haben wir die sichere Aussicht, dass der Fonds seine nützliche Arbeit für die nächsten zehn Jahre fortsetzen kann. Dies wird insbesondere der Jugend, d.h. der Zukunft unserer beiden Länder zugute kommen. Sie sind auch Begegnungen mit schwierigen Partnern unter den deutschen Landsleuten nicht aus dem Weg gegangen und haben Ihren persönlichen Beitrag dazu geleistet, dass sich das Verhältnis zwischen Tschechien und den deutschen Vertriebenen weiter entkrampft hat.

Als langjähriger Chef der tschechischen Diplomatie waren Sie ein Partner in einer vertrauensvollen und offenen Zusammenarbeit, in deren Rahmen unsere beiden Länder in vielen Bereichen der internationalen Politik eng und erfolgreich zusammengearbeitet haben.

Herr Minister,
mit ihrem Einsatz für die friedliche Zusammenarbeit innerhalb Europas und im weiteren internationalen Rahmen und durch ihre beharrliche Arbeit für eine weitere Verbesserung des deutsch-tschechischen Verhältnisses haben Sie sich um Deutschland verdient gemacht.

Bundespräsident Horst Köhler hat daher entschieden, Sie mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszuzeichnen.