DDR-Flüchtlinge in der Botschaft 1989
1989 wurde das Palais Lobkowicz zu einem Ort deutscher - und europäischer - Geschichte, als für Tausende von Bürgern der damaligen DDR nach wochenlangem Warten auf dem Botschaftsgelände die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich wurde. Zeitweise hielten sich bis zu 4000 Flüchtlinge auf dem Botschaftsgelände auf. Nach langwierigen Verhandlungen konnte der damalige Bundesaussenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 den im Garten des Palais Lobkowicz ausharrenden Menschen verkünden, dass ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden war.
Bildergalerie zu den Botschaftsflüchtlingen
Erinnerungen von Botschafter a.D. Hermann Huber
"Eine historische Aufarbeitung der Ereignisse, die zur deutschen Wiedervereinigung geführt haben, wird die dramatischen Vorgänge im Spätsommer und Herbst des Jahres 1989 in Prag nicht außer Acht lassen können, als Tausende von Flüchtlingen aus der DDR Zuflucht in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland suchten. Der im August 1989 plötzlich einsetzende Ansturm auf die Botschaft war nicht nur von der Dimension her ein Novum, sondern stellte auch qualitativ eine völlig neue Situation dar, mit der es galt sich auseinander zu setzen. Sie kumulierte schließlich am 3. November 1989 in einer Ausreiseregelung, die den eisernen Vorhang und die Berliner Mauer obsolet werden ließ."
Erinnerungen von Botschafter a.D. Hermann Huber [pdf, 78,23k]
Internet-Forum für ehemalige Botschaftsflüchtlinge und weitere Interessierte
2009 wird sich der Jahrestag der Ausreise der Botschaftsflüchtlinge aus der ehemaligen DDR aus Prag zum zwanzigsten Mal jähren. Anlässlich dessen hat die Deutsche Botschaft Prag im September 2008 ein Internetforum für ehemalige Botschaftsflüchtlinge und weitere Interessierte gegründet, das dem Austausch zwischen Interessierten gewidmet ist und über Meldungen, Publikationen und Veranstaltungen zu dem Thema informieren soll.
www.botschaftsfluechtlinge.de
Skulptur "Quo Vadis"
Die Skulptur „Quo Vadis“ (ein Trabant auf Beinen) von David Černý erinnert an die Ereignisse des Herbstes 1989. Das Original wurde der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig überlassen. Der Abguss in Bronze, der seit Herbst 2001 im Garten der Deutschen Botschaft in Prag steht, wurde möglich dank der freundlichen Unterstützung folgender Sponsoren: Allianz, Barum Continental s.r.o., BASF spol. s.r.o., BNP-Dresdner Bank CR a. s., Bosch, Ceský TÜV Süddeutschland s.r.o., DaimlerChrysler Aut. Bohemia a. s., DePfa Financial Service spol. s.r.o., Deutsche Bank AG, Gerling Konzern AG, Holzmann, Philip AG, HypoVereinsbank CZ a. s., Linde-Technoplyn a. s., Mercedes-Benz Leasing Bohemia, Prague Marriott Hotel, RadioMobil a. s., RWE AG, Siemens, Siemens s.r.o.
Die Skulptur wurde im Herbst 2007 unter Anwesenheit des Künstlers selbst und des deutschen Botschafters Helmut Elfenkämper um einige Meter nach vorne verschoben. Ziel der Aktion war es, die Sicht auf das in vielen Reiseführern erwähnte Kunstwerk vom Zaun der Botschaft aus zu verbessern. Viele deutsche Touristen kommen wegen des Trabis auf die Gartenseite des Botschaftsgeländes, von der man den schönsten Blick auf das Gebäude hat.