20 Jahre Deutsch-Tschechische Erklärung: gemeinsam an der Zukunft arbeiten, statt einander mit der Vergangenheit belasten

Mit Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung am 21. Januar 1997 durch Bundeskanzler Helmuth Kohl, Ministerpräsident Vaclav Klaus und die Außenminister beider Länder gingen zwei Jahre mitunter schwieriger Verhandlungen zu Ende. Auf beiden Seiten gab es jedoch den festen Willen, auch trotz innenpolitischer Debatten, am Abschluss dieser Erklärung festzuhalten. Denn mit ihr sollte zwar nicht ein Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte einfach zugeschlagen werden – aber auf jeden Fall ein neues eröffnet werden.

Deutsch-tschechische Aussöhnungserklärung unterzeichnet Bild vergrößern Bundesauenminister Klaus Kinkel (r) und sein tschechischer Amtskollege Josef Zieleniec tauschen am 20.12.1996 in Prag die Dokumente aus, nachdem sie zuvor das Protokoll zur deutsch-tschechischen Aussöhnungserklärung unterzeichnet hatten. (© picture-alliance / dpa)

Das zentrale Motiv und Motto der Erklärung ist es, dass die belastende Vergangenheit der zukünftigen Gestaltung der gemeinsamen Beziehungen nicht im Wege steht:

„Beide Seiten stimmen darin überein, dass das begangene Unrecht der Vergangenheit angehört und werden daher ihre Beziehungen auf die Zukunft ausrichten.“

Mit der Erklärung erkennt jede Seite an, dass die andere Seite eine andere Rechtsauffassung in Bezug auf die Ereignisse der Vergangenheit hat. Dieses Bekenntnis zu gegenseitigem Respekt und die Anerkennung als gleichwertige Nachbarn festigte die Partnerschaft zwischen Deutschland und Tschechien und machte den Weg für eine signifikante Dynamisierung und Vertiefung der bilateralen Beziehungen frei.

Und nach 20 Jahren zeigt sich tatsächlich: Fragen der Vergangenheit stehen in den heutigen, so vielschichtigen und intensiven Beziehungen nicht mehr im Vordergrund oder führen zu Vorwürfen und Ängsten. In die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte ist Normalität eingekehrt. Auf beiden Seiten besteht Offenheit und Bereitschaft zu gemeinsamer Erinnerung, Aufklärung und Verarbeitung.

Angela Merkel in Prag Bild vergrößern Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Pressekonferenz anlässlich ihres Besuchs in Prag am 3. April 2012. (CTK Photo/Michal Krumphanzl) | (© picture alliance / dpa)

"Heute können wir mit Dankbarkeit und Stolz feststellen, dass der Geist der Erklärung gelebt wurde und wird. Deutsche und Tschechen sind längst zu guten Nachbarn und engen Freunden geworden." 

Bundeskanzlerin Merkel zum 20. Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung

im vollständigen Wortlaut

Wichtig hierfür waren und sind die Dialog- und Kooperationsformate, die auch im Ergebnis der Deutsch-Tschechischen Erklärung entstanden sind: Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hat seit 1998 ca. 54 Mio. Euro für Entschädigungszahlungen an NS-Opfer und für etwa 9.500 deutsch-tschechische Projekte vor allem im Schüler- und Jugendaustausch sowie für die kulturelle Zusammenarbeit zur Verfügung gestellt. Daneben bietet das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum ein regelmäßiges Format für Vertreter von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik beider Länder, historische und aktuelle Fragen im bilateralen Verhältnis zu diskutieren. Das Deutsch-Tschechische Jugendforum fördert seit 2001 das Engagement junger Menschen in der Zivilgesellschaft sowie grenzüberschreitende Verständigung und Freundschaften mittels eigener Projekte.

Die Erklärung war ein Meilenstein der bilateralen Beziehungen und stellt bis heute das Fundament unserer Zusammenarbeit dar. 

Auf unserer facebook-Seite lassen wir in den nächsten Tagen Zeitzeugen und Protagonisten zu Wort kommen, wie sie die deutsch-tschechischen Beziehungen 20 Jahre nach der Erklärung bewerten.

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Hans-Jörg Schmidt Bild vergrößern Hans-Jörg Schmidt (© Björn Steinz)

Deutsch-Tschechische Erklärung

Deutsch-tschechische Erkl�rung in Prag unterzeichnet

Die Deutsch-Tschechische Erklärung vom 21. Januar 1997 ist ein grundlegendes Dokument der gemeinsamen Beziehungen. Den ganzen Text der Erklärung können Sie hier lesen.

Außenminister a.D. Klaus Kinkel zum 20-jährigen Jubiläum der Deutsch-Tschechischen Erklärung

Bundesaußenminister a.D. Klaus Kinkel am 19.1.2017 in der Deutschen Botschaft Prag Bild vergrößern Bundesaußenminister a.D. Klaus Kinkel am 19.1.2017 in der Deutschen Botschaft Prag (© Friedrich-Naumann-Stiftung, Büro Prag) Anlässlich des Festakts der Friedrich Naumann-Stiftung zum 25-jährigem Bestehen ihres Büros in Prag, veranstaltet am 19. Januar in der Deutschen Botschaft Prag, blickte Klaus Kinkel (Außenminister von 1992 bis 1998) zurück auf die Zeit des Entstehens der Deutsch-Tschechischen Erklärung. Er verknüpfte dies mit einem deutlichen Plädoyer für ein starkes, handlungsfähiges Europa. Hierbei sehe er große Schnittmengen und Gemeinsamkeiten zwischen Tschechien und Deutschland.