Botschafter Lingemann zum 15. Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung
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Bundesau�enminister Klaus Kinkel (r) und sein tschechischer Amtskollege Josef Zieleniec tauschen am 20.12.1996 in Prag die Dokumente aus, nachdem sie zuvor das Protokoll zur deutsch-tschechischen Auss�hnungserkl�rung unterzeichnet hatten. Im Januar wollen Bundeskanzler Kohl und der tschechische Regierungschef Klaus die eigentliche Erkl�rung unterschreiben. Deutschland bedauert darin das den Tschechen in der Nazizeit zugef�gte Leid. Die tschechische Seite bedauert das Unrecht bei der Vertreibung der Sudetendeutschen. �ber den Text der Erkl�rung war fast zwei Jahre lang verhandelt worden.
(© picture-alliance / dpa)
Der Kalender beschert uns im Jahre 2012 eine Reihe von Jubiläen im deutsch-tschechischen Verhältnis: tragische wie die Erinnerung an die barbarischen Racheaktionen der NS-Besatzer im Juni 1942, aber auch erfreuliche wie den 20. Jahrestag des Nachbarschaftsvertrages am 27.02. und den 15. Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung am heutigen Tag.
Wenn man sich heute vergegenwärtigt, wie schwierig sich die Verhandlungen über dieses so einflussreiche Dokument mit dem eher unscheinbaren Titel gestaltete, gerät man ins Staunen: Geheimdiplomatie, mehrere Verhandlungsrunden und heftige innenpolitische Auseinandersetzungen, bevor schließlich beide Parlamente mit deutlicher Mehrheit die Erklärung billigten. Die staatsmännische Weitsicht und Risikobereitschaft der an diesem Marathon Beteiligten – in erster Linie Premier Václav Klaus und Bundeskanzler Helmut Kohl sowie die Außenminister Klaus Kinkel und Josef Zieleniec – verdient unsere Anerkennung und Dankbarkeit. Dass uns diese schwierigen Geburtsumstände heute kaum mehr vorstellbar erscheinen, ist ganz wesentlich Verdienst der Erklärung selbst. Vereinfacht lautet ihre Kernbotschaft: Die tragische Vergangenheit darf nicht Fortschritten in unseren Beziehungen im Wege stehen. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sich seinerzeit gewünscht, die Erklärung solle helfen, den Teufelskreis gegenseitiger Aufrechnung und Schuldzuweisungen zu durchbrechen. „Wir dürfen nicht Gefangene der Vergangenheit bleiben, sonst hätte die Vergangenheit letztlich gesiegt.“ Dieser Wunsch hat sich erfüllt, Deutschland und Tschechien sind heute enge Partner und Freunde.
Als überaus weitsichtig und produktiv erwies sich auch die mit der Erklärung getroffene Entscheidung, Fragen der Vergangenheit an die Historiker zu verweisen, die sich ohne politische Vorgaben den strittigen Themen widmen sollten. Dabei spielt der mit der Erklärung ins Leben gerufene Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds eine herausragende Rolle, der Konferenzen genauso finanziert wie Denkmalrestaurierungen oder Kulturprojekte im bilateralen Kontext. Wichtige Impulse für die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte werden auch vom Museum für die Geschichte der Deutschen in den Böhmischen ausgehen, das in Aussig seine Arbeit aufgenommen hat.
Václav Havel, dessen Verdienste um die Freundschaft unserer Länder unvergessen bleiben wird, hatte seinerzeit im deu. Bundestag festgestellt: „Die deutsch-tschechische Erklärung schafft, - indem sie uns alle von der Angst vor der Wahrheit befreit – sowohl für die Entwicklung unseres nachbarschaftlichen Zusammenlebens als auch für unsere Zusammenarbeit auf der europäischen Bühne ein außerordentlich günstiges Klima.“ Havel hebt hier die europäische Perspektive der Erklärung hervor, die uns gerade heute zu denken geben sollte. Die EU macht zweifellos eine ihrer schwersten Krisen durch, eine Krise, die sie nach meiner festen Überzeugung meistern wird. Ein bloßes Weiter so! wird es aber nicht geben können. Aktiv und freundschaftlich an einer gemeinsamen europäischen Zukunft zu arbeiten ist auch ein Auftrag des Dokuments, dessen 15. Geburtstag wir heute feiern.
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Mehr als 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben Deutsche und Tschechen einander die Hand zur Auss�hnung gereicht. Bundeskanzler Helmut Kohl (l) und der tschechische Ministerpr�sident Vaclav Klaus (r) unterzeichnen am 21.1.1997 im Liechtenstein-Palais in Prag die mit gro�en Hoffnungen verbundene, aber auch umstrittene deutsch-tschechische Erkl�rung. Hinter Kohl Bundesau�enminister Klaus Kinkel, ganz rechts der tschechische Au�enminister Josef Zieleniec. Beide Regierungschefs w�rdigten im Anschlu� an die Unterzeichnung den Inhalt der Vereinbarung als zukunftsweisend. Kohl betonte zugleich, da� Eigentumsanspr�che der Sudetendeutschen weiterhin offen blieben. Nach Ansicht von Zieleniec ist die Frage deutscher Verm�gensanspr�che ein f�r allemal abgeschlossen.
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